Seide – die Geschichte der edlen Naturfaser

Seide – die Geschichte der edlen Naturfaser

Echte Seide – völlig zu Recht trägt sie den Beinamen „Königin aller Naturfasern“. Kein anderer Stoff steht seit mehr als 5000 Jahren ungebrochen für feminine Schönheit und Exklusivität. Dabei sind nicht nur der edle Look, sondern auch die Trageeigenschaften des begehrten Materials unerreicht. Sie wärmt bei Kälte und kühlt bei Hitze, ist schmutzabweisend und knitterarm, federleicht und trocknet fast schneller als man sie aufhängen kann. Diese hautschmeichelnde Faser bildet den perfekten Grundstoff für hochwertige Hochzeitskleider und Brautmode. Sie eignet sich zwar nicht für jede Form und Silhouette, aber wir lieben unsere Modelle in Seide und möchten daher etwas zu ihrer Geschichte und ihrer Herkunft berichten.

Echte Seide - die Geschichte der edlen Naturfaser

Seide: Der märchenhafte Beginn

Mit Seide am Körper fühlst du dich wie eine Prinzessin aus 1001 Nacht. Gleichermaßen märchenhaft wie die Seide selbst erscheinen auch die vielen Geschichten, die sich um die Entstehung und Verbreitung des feinen Fadens ranken.
Ein erster Mythos beschreibt, dass es vor etwa 5000 Jahren der Gott des Ackerbaus namens Shennong war, der die Menschen gelehrt habe, den Maulbeerbaum anzupflanzen. Nicht, damit sich diese an den wohlschmeckenden Früchten satt aßen. Sondern um damit die Seidenraupen zu füttern, deren ausschließliche Nahrungsquelle die Blätter des Maulbeerbaums sind.
Eine andere Legende besagt, dass Kaiser Fu Xi, der als Urahn der Menschen und Erfinder eines seidenbespannten Musikinstrumentes gilt, den Einfall hatte, die Kokons der Seidenraupen auch zur Textilherstellung zu nutzen.
Auch eine Konfuzius zugeschriebene Geschichte darf in diesem edlen Zusammenhang nicht fehlen. So formulierte dieser, dass 2700 v. Chr. der Kokon einer Seidenspinnenraupe von einem Baum in die Teetasse der Kaiserin Lei Zu gefallen sei. Als die junge Kaiserin den Kokon aus dem Tee nahm und sah, wie sich die Seidenfäden vom Kokon abwickelten, kam sie auf die Idee, daraus Stoffe zu fertigen.
Das bekannteste Märchen ist jedoch das der chinesischen Kaiserin Xiling Shi (Große Frau). Diese soll sich 2697 v. Chr. aus Angst vor einer Schlange auf einen Maulbeerbaum geflüchtet und dort bobachtet haben, wie sich eine weiße Raupe in einen glänzenden Faden hüllte. Beeindruckt von dessen Feinheit und Festigkeit hatte sie fortan den Wunsch, sich selbst darin zu hüllen. Da sie es auch war, die herausfand, wie die Raupen gezüchtet und die Kokons genutzt werden können, wurde Xiling Shi später als Göttin der Seidenraupen verehrt.
Fest steht aufgrund archäologischer Funde, dass die Seidengewinnung und Verarbeitung schon vor 6000 Jahren in China bekannt war. Über 3000 Jahre hinweg verfügte das Reich der Mitte sogar über das Monopol der Seidenherstellung. Niemand sonst erforschte das Wissen zur Aufzucht Seidenspinnerzucht und Faserverarbeitung derart gründlich. Vor allem die Fertigkeit, den Seidenfaden vom Kokon abzuhaspeln, wurde wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Entsprechend drohte die Todesstrafe all jenen Chinesen, die die Kunst der Raupenzucht, Seidenherstellung und Seidenfärbung an Ausländer verrieten oder selbst außer Landes schmuggeln wollten. Denn natürlich waren vor allem die Adelshäuser aus aller Welt an diesem exklusiven „Stoff der Götter“ hoch interessiert.

Echte Seide - die Geschichte der edlen Naturfaser

Ein weiter Weg genannt Seidenstraße

Unter anderem aus diesem Handel heraus entwickelte sich die sogenannte Seidenstraße als entscheidender Handelsweg zwischen Asien und Europa. Wobei der Name „Seidenstraße“ erst im 19. Jahrhundert vom deutschen Kartografen Ferdinand von Richthofen geprägt wurde. Ihren Höhepunkt erreichte die Produktion chinesischer Seide während der Chang Dynastie (1600 bis 1046 v. Chr.) mit einem immensen Einsatz an Menschen und Material. Aus gutem Grund. Denn bis ins Zeitalter des römischen Reiches hinein wurde ein Kilo Seide mit einem Kilo Gold aufgewogen. Zugleich war trotz aller Todesandrohung klar, dass die Herstellung eines solch wertvollen Gutes nicht auf ewig im chinesischen Riesenreich unter Verschluss gehalten werden konnte.
Auf welche Weise das Wissen und die Grundmaterialien für die Seidenherstellung bis nach Europa gelangt sind, ist wiederum unklar. Angeblich soll zunächst die Tochter eines chinesischen Kaisers in ihrer Frisur Seidenraupeneier und Maulbeerbaumsamen nach Kothan (Burma) geschmuggelt haben. Sie fürchtete, nach ihrer Heirat mit dem Fürsten von Kothan auf ihre geliebten Seidenkleider verzichten zu müssen. Von Kothan aus verbreiteten sich die Kenntnisse über die Seidenherstellung ab dem 1. Jahrtausend v. Chr. nach Japan und Indien, wo die kostbaren Fäden seither in aufwändige Kimonos und Saris verwandelt werden. Dann folgt eine der ersten globalen Industriespionagen der Geschichte: Der oströmische Kaiser Justinian I. sendet um 522 zwei Mönche nach China aus, damit diese auf dem Rückweg nach Byzanz (heutiges Istanbul) in ihren präparierten Wanderstöcken Seidenraupeneier und Maulbeerbaumsamen schmuggeln. Damit war auch der Samen für die europäische Produktion gesetzt. In Europa entwickelten sich in den folgenden Jahrhunderten zunächst Griechenland und Spanien zu Knotenpunkten der Seidenherstellung. Vor allem aber Italien sollte mit Metropolen wie Venedig, Florenz und Genua den europäischen Markt bis ins 16. Jahrhundert hinein dominieren. Dank technischer Neuerungen im Bereich der Webtechnik folgte im 17. Jahrhundert Frankreich mit seinem Seidenzentrum Lyon.

Seide für Deutschland

Auch in Deutschland gab es immer wieder Versuche, eine eigene Seidenproduktion aufzubauen. Beispielsweise in Berlin. Hier existierten schon 1580 einige Manufakturen, die allerdings nur Seiden aus dem Ausland weiter verarbeiteten. Ab 1600 gelang die erste Seidenraupenzucht in Süddeutschland aufgrund der besten klimatischen Voraussetzungen. Folgend mauserte sich Bayern bis 1670 zum ersten großen Seidenanbaugebiet, gefolgt von der Pfalz, in der rund 80.000 Maulbeerbäume angepflanzt wurden. Vor allem Kaiser Friedrich der Große kurbelte ab 1750 dann auch die nördliche Seidenproduktion an. Er ließ drei Millionen Maulbeerbäume pflanzen und subventionierte die Seidenwirtschaft großzügig. So wurden 1753 in und um Berlin rund 75 Kilo des kostbaren Rohstoffs gewonnen. 1784 waren es bereits 7.000 Kilo, was immerhin ein Drittel des preußischen Eigenbedarfs entsprach. In Deutschland entwickelte sich vor allem Krefeld zu einem Zentrum der Seidenindustrie mit durchaus großer europäischer Bedeutung. Krankheitsbefall, Klimaschwankungen und die napoleonischen Kriege bereitetem dem ehrgeizigen Eigenanbauprojekt jedoch ein Ende. In den 1930er Jahren flammte die Idee einer eigenen Produktion unter anderem für Kriegsfallschirme noch einmal auf, wurde mit der Ausbreitung einfacher und günstiger herzustellender Kunstseide jedoch nicht weiter verfolgt.
Heute zählen neben China mit einem Marktanteil von 80% vor allem Indien, Thailand, Japan und vor allem Brasilien zu den weltweit führenden Seidenproduzenten. Die Rohseide wird in Europa noch immer häufig nach Italien, Frankreich und Deutschland exportiert, gefärbt und zu Textilien weiterverarbeitet.

Echte Seide - die Geschichte der edlen Naturfaser

Der Schmetterlingseffekt

Echte Seide ist ein tierisches Naturprodukt. Und die Seidenzucht ist eine äußerst aufwendige Angelegenheit, die viel Können und konstante Rahmenbedingungen erfordert. Genau das macht ihre einzigartigen Eigenschaften und den hohen Wert aus.
Wie bereits im geschichtlichen Teil angeklungen, ist der Seidenfaden das Produkt einer chinesischen Schmetterlingsraupe, die den wissenschaftlichen Namen „Bombyx mori“ trägt und zu den Seidenspinnern zählt. Als Seidenspinner werden alle Insekten bezeichnet, die über einen aus Körpersäften produzierten Seidenfaden verfügen, den sie zu Netzen, Kokons oder Einzelfäden verarbeiten. Weshalb es prinzipiell noch 400 weitere Schmetterlingsarten gäbe, die zur Seidenproduktion herangezogen werden könnten. Allerdings reicht deren Fadenqualität nicht aus. Es ließen sich sogar Spinnenfasern zur Seidenherstellung einsetzen, zumal sie um ein Vielfaches feiner als Seidenfäden sind. Leider benötigte man zur Herstellung von einem Kilo Spinnenseide mehr als 40.000 Tiere, was unter Haltungsgesichtspunkten unmöglich ist.
Doch auch mit Bombyx mori gibt es ein kleines Problem. Er ist außerordentlich wählerisch was seine Nahrung betrifft: Die Seidenraupe frisst ausschließlich die Blätter des Maulbeerbaums, weshalb die Maulbeerbaumzucht unmittelbar mit der des Tieres verknüpft ist.
Bombyx mori ist als Schmetterling etwa drei bis vier Zentimeter breit und hat eine mehlweiße Färbung sowie schwarze Kammfühler. Die Paarung erfolgt im Frühsommer, sobald die Maulbeerbäume grüne Blätter tragen. Darauf legt das Weibchen rund 400 gelbliche Eier ab und verstirbt. Erst im folgenden Frühjahr schlüpfen die Seidenraupen aus ihren stecknadelkopfkleinen Eiern, häuten sich innerhalb eines Monats viermal, um sich schließlich in einem Kokon zu verspinnen. Das geschieht, indem die Raupe beim Austreten des sofort härtenden Eiweißsekrets gezielte Kopfbewegungen macht und so Fadenwindung für Fadenwindung um sich herum legt. Dabei schafft sie stolze 15 Meter pro Minute. Der Kokon besteht aus einem einzigen, im Regelfall etwa einem Kilometer, gelegentlich aber auch vier Kilometer langen Faden. Dafür benötigt die Seidenspinnerlarve ordentlich Futter: 500 Gramm Raupen verschlingen im Laufe ihres Lebens bis zu 12.000 Kilogramm Maulbeerblätter. Was beantwortet, was die Zucht unter anderem so aufwendig macht.
Acht Tage nach dem Einspinnen verpuppt sich die Seidenraupe und nach weiteren acht Tagen schlüpft der Schmetterling. Da der den Kokon jedoch auflösen müsste, um zu entsteigen, folgt nun der unschöne Akt bei der Seidengewinnung: Um das Garn unbeschädigt zu erhalten, werden die Puppen nach Fertigstellung des Kokons in kochendem Wasser getötet.
Die Spinnfäden von drei bis acht Kokons werden dann vorsichtig abgewickelt und bilden gemeinsam einen sogenannten Grège-Faden, der sich zu glatten Textiloberflächen verarbeiten lässt. Um 250 Gramm Grège zu erhalten, müssen rund 3000 Kokons abgewickelt werden. Vieles am Herstellungsprozess erfolgt immer noch in Handarbeit und erfordert höchste Geschicklichkeit und Präzision. Um schließlich den gelblich-klebenden Seidenleim von der Faser zu entfernen, wird sie noch mit Seife gereinigt und erhält dadurch ihre geschmeidige, glänzende Charakteristik. Von nun an kann sie durch Verzwirnung in unterschiedliche Seidengarne verwandelt und schließlich in die uns so verzückenden Glanzstoffe verwoben werden. Übrigens werden für ein Kleid aus Seide fast 70 Kilo Maulbeerblätter und 50.000 Seidenraupen benötigt. Oder anders gerechnet: Ein Kilogramm Rohseide entsprechen knapp 10 Kilogramm Kokons. Dafür könnte ein Seil aus Seide aber auch weitaus mehr Gewicht tragen als ein vergleichbar dickes Seil aus Stahl.

Da Seide als Naturstoff nur mit viel Aufwand zu gewinnen und entsprechend teuer ist, gilt es bei der Herstellung Reste zu vermeiden. Auch aus übriggebliebenen Teilen des abgewickelten Kokons und Produktionsresten können durch Kämmen kurze Faserstränge (5 bis 25 cm) gewonnen werden. Daraus ergeben sich Fäden und Gewebe unterschiedlicher Qualitätstufen.

Als ökologisch unbedenklicher gilt Wildseide, da die Falter zur ihrer Gewinnung nicht getötet werden müssen. Hierzu werden sämtliche Seidenarten gezählt, die erst nach dem Schlüpfen gewonnen werden. Neben der von Bombyx mori erzeugten Maulbeerseide gibt es noch Tussahseide (vom japanischen Eichenseidenspinner) und Fagaraseide (vom Atlasspinner). Beim Schlüpfen hinterlassen die Falter allerdings ein Loch im Kokon. Der dabei unregelmäßig zerrissene Faden muss zusammengefügt werden, wodurch beim Verweben die charakteristischen, noppenartigen Verdickungen entstehen.

Echte Seide - die Geschichte der edlen Naturfaser

unsere Tipps für die Reinigung

Seide ist ein auf Eiweiß basierender Naturstoff, daher sind einige Hinweise zu beachten. Bei einigen Kleidungsstücken sind sowohl eine eigene Hand- wie auch Maschinenwäsche (Woll- oder Feinwaschgang) möglich. Große und edle Stücke wie Hochzeitskleider sollten jedoch lieber in die Reinigung gegeben werden.
– Gerüche lassen sich häufig bereits durch einfaches Auslüften beseitigen
– Knitterfalten verschwinden durch Aufhängen im feuchtwarmen Badezimmer
– Bei Hand oder Maschinenwäsche spezielles Seidenwaschmittel verwenden
– Die Waschtemperatur sollte 30°C nicht übersteigen
– Bedruckte Seide besser nur kalt per Hand waschen
– Vermeidung von Weichspülern
– Seide niemals auswringen oder hart schleudern
– Die Hinzugabe eines Esslöffels Weinessig beim Spülen kann den Glanz zurückbringen
– Seide immer von der Rückseite und feucht bügeln (Ausnahme Wildseide)
– Vermeide das Besprühen von Seide mit Wasser (Fleckenbildung)
– Häufiger Parfum-, Deo- und Schweißkontakt machen Seide brüchig
– Setze Seide niemals lange direkter Sonnenstrahlung aus

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